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Ein lebensfrohes Gotteshaus stellt sich vor:

Die dem Heiligen Rochus geweihte Pfarrkirche von Insenborn wurde im Jahre 1862 gebaut. Wie in vielen anderen Pfarreien, wurde das Barockmobiliar aus dem Vorgängerbau übernommen. Es stammte aus der Werkstatt des altluxemburgischen Künstlers Jean-Georges Scholtus (1680-1754). Allerdings wurde die wertvolle Ausstattung im Laufe des letzten Jahrhunderts Opfer eines übertriebenen Modernisierungsverständnisses. Lediglich die Statuen des Hl. Rochus und der Hl. Cäcilia konnten in unsere Zeit gerettet werden. Die Kirche war ihrer Seele beraubt worden und führte fortan ein eher karges und farbloses Dasein.

Vor einigen Jahren wurde deshalb die Idee aufgegriffen, die Kirche von Grund auf neu zu gestalten. Unter dem kreativen Impuls von Fernande Marx, der damaligen Direktorin des Naturparks Obersauer, wurden erste Ideen entwickelt. Inmitten der herrlichen Landschaft des Naturparks gelegen, sollte die Pfarrkirche von Insenborn wieder vermehrt ein Ort der Einkehr und der tiefen Gottesbegegnung werden. Ein Raum, der durch seine Gestaltung und Konzeption zum Verweilen einlädt, abseits jeglicher Zeitnot. Eine einladende Kirche, wo der Mensch sich angenommen fühlt, seine Sehnsucht nach Leben, seine Sorgen und Nöte, aber auch seinen Dank vor Gott bringen kann.

In der Person von Uli Lindow aus Schobüll (Norddeutschland) konnte der Kirchenrat von Insenborn einen nahmhaften Künstler gewinnen, der diese anspruchsvolle Aufgabe der Neugestaltung mit ganzer Leidenschaft und grosser Hingabe annahm. Bereits im Jahre 2001 legte Lindow der Pfarrei und Gemeinde ein künstleriches Gesamtkonzept vor, das bei der Bevölkerung und den Instanzen Anklang und Begeisterung fand. Leider überschattete der tragische und allzu frühe Tod von Fernande Marx zunächst jegliche Initiative. Doch gerade die Erinnerung an diese mutige Vordenkerin veranlasste die Verantwortlichen, das Projekt der Erneuerung mit Entschlusskraft voranzutreiben und zu einem glücklichen Ende zu bringen.

Neue Raumgestaltung

Der Eingangsbereich mit seiner doppelflügligen Eingangstür und dem Windfang, ist mit transparenten Glaselementen versehen. Unter einer gemeinsamen Baumkrone, zusammengewachsen aus dem Baum der Versuchung und dem der Verzeihung, wird der Besucher entlang biblischer Heilpflanzen behutsam in die Kirche geleitet.

Dem Betrachter eröffnet sich ein lichtdurchfluteter Innenraum mit einer lebensfrohen Farbgebung. Die mehrschichtige Lasurmalerei der Wände und der Gewölbe lässt warme und zarte Farbklänge entstehen und gibt dem Raum Weite, Wärme und Lebensatem. An den Langhauswänden fügen sich die alten Heiligenstatuen sinnvoll in die neue Farbsymphonie ein.

Durch die neuen Buntglasfenster wird die Farbigkeit des Raumes noch unterstützt. Jedes einzelne Glasgemälde ist ein Kunstwerk für sich und zieht den Betrachter durch seine besondere Technik der Dreidimensionalität in seinen Bann. Die Fenster, ebenfalls ein Werk von Uli Lindow und in einer Glaswerkstätte in Taunusstein hergestellt, bestehen aus einer  Doppelverglasung (Isolierglas) in einer Kombination verschiedener Techniken (ein Ensemble aus Echtantikgläser, Ätzungen, Glasurfarben, Sandstrahltechnik und Bleistegen).

Thematisch lassen sich die 15 Fenster in 3 Gruppen aufteilen.

1) Die drei Portalfenster

Das mittlere etwas höhere der 3 Fenster stellt die hl Dreifaltigkeit dar.

Im oberen Bogenfeld strahlen auf dunklem Blau die Sterne. Sie symbolisieren die 7 Erzengel, die um den Thron Gottes stehen. Ein Dreieck als Gotteszeichen öffnet sich vertikal über das ganze Fenster. In seiner Mitte „fliesst“ eine Wassersäule als Himmelssymbol von oben nach unten und schafft so eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Über dem Strahl und der Wassersäule steht ein helles Kreuz. Der vertikale „Balken“ mit einer aufrecht verlaufenen Öffnung, soll die Verbindung der Christen zwischen Erde und Himmel als Weg durch Tod und Auferstehung Jesu Christi deutlich machen. Begleitet wird dieses Fenster durch die Scheiben zu beiden Seiten, in denen Himmelswesen wie tausende Engel zu erkennen sind.

2) Die acht Fenster im Kirchenschiff

Diese Fenster sind dem Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi gewidmet. Ein jedes bezieht sich auf eine der Strophen dieses Lobgebetes.

a) Mutter Erde (Empore links)

„Sei gelobt, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde. Die uns versorgt und nährt und zeitigt allerlei Früchte und farbige Blumen und Gras.“ Dieses Fenster wird bestimmt durch die Darstellung von Weinlaub und Reben. Aus einer Schale wächst Korn und Brot. Beide Elemente stehen für Wein und Brot in der Eucharistiefeier.

b) Bruder Feuer

„Sei gelobt, mein Herr, für Bruder Feuer. Durch den du erleuchtest die Nacht. Sein Sprühen ist kühn, heiter ist er, schön und gewaltig stark.“ Gerahmt von blau, ist in der Mitte, eine gezackte, geflammt Fläche mit gelb, züngelnden Flammen zu sehen. In den Flammen ist der brennende Dornbusch erkennbar.

c) Bruder Mond und die Sterne

„Sei gelobt, mein Herr, für Bruder Mond und die Sterne. Die du am Himmel geformt in köstlich funkelnder Ferne.“ Von einem auf dunklem Himmelsblau gesetzten Sternenkranz erscheint in der Fenstermitte ein Feld, in dem man wie durch ein Fenster die Mondphasen sieht.

d) Jene, die verzeihen aus Liebe zu dir

„Sei gelobt, mein Herr, für jene, die verzeihen aus Liebe zu dir. Und Elend tragen und Mühsal. Selig jene, die dulden in Frieden, weil sie von dir, oh Höchster, die Krone empfangen.“ Gefaltete Hände halten einen Olivenzweig. Die Darstellung greift die Erzählung aus dem Buch der Genesis auf, wo Noah nach der Sintflut den Zweig durch die Taube empfängt, als Zeichen für Versöhnung und Neubeginn.

e) Schwester Quelle

„Sei gelobt, mein Herr, für die Schwester Quelle. Die so nützlich ist, gering und köstlich und keusch und helle.“ Dieses Fenster ist dem Wasser gewidmet, dem Ursprung alles Lebendigen. In diesem Fenster will alles fliessen. Fische umspielen in fortwährendem auf und ab eine Lebensspendende Quelle.

f) Bruder Wind

„Sei gelobt, mein Herr, für Bruder Wind und für Luft und Gewölk und heiteres und jegliches Wetter. Wodurch du belebst die Kreaturen, dass sie sind“. Wind und Wolken sind dargestellt in Himmelsfarben, in Bewegung wie ein Strom. Ein und Ausatmen – auf und ab - Energie.

g) Schwester Sonne

„Sei gelobt, mein Herr, mit allen deinen Kreaturen. Sonderlich mit der hohen Frau, unserer Schwester, der Sonne. Die den Tag macht mit ihrem Licht uns leuchtet. Wie schön in den Höhen und prächtig im mächtigen Glauben. Beleuchtet sie, Herrlicher, dich“.

Umrankt von lichtweissen Rosenzweigen, strahlt im oberen Feld die Sonne. Von unten reckt sich ein grüner Lebensbaum. Neben ihm klettern und senken sich Sonnenbälle im Auf- und Untergang wie ein ewiger Kreislauf.

h) Bruder Tod

„Sei gelobt, mein Herr, für Bruder Tod, den herben. Dem kein Lebender entrinnen kann.“

Wie eine Pieta von einem blauen Mantel umfangen, sieht man in der Fenstermitte eine Figur schwebend im Hinübergehen ergriffen. Dahinter in gezeichneten Linien erscheint wesenhaft der Tod. Die Gruppe wird umrahmt von leuchtendem Gelb. Trauer, Trost und Hoffnung sind miteinander vereint.

Bruder Feue Bruder Mond und die Sterne

 

3) Die Chorfenster

Die Chorfenster sind den vier Evangelisten gewidmet.

Um den Altarraum im hellen Licht erscheinen zu lassen, sind die Evangelisten ihrer Symbolik entsprechend, mit hellen Formen und mit einer zarten Konturlinie, dargestellt.

◊ Mattäus – Engel

◊ Markus – Löwe

◊ Lukas – Stier

◊ Johannes – Adler

Als einzige Farbe, neben dem Randstreifen, umrahmt gelb leuchtend ein Nimbus die Häupter.

Der Chorraum, als zentraler Sakralbereich der Kirche, zeichnet sich aus durch sein neues liturgisches Mobiliar aus Eichenholz. Der sich einladend öffnende Altatisch, das Tabernakel, der leichtgestaltete Ambo und der Osterleuchter geben der Apsis die nötige sakrale Kraft und Konzentration. Der dreiteilige Flügelaltar bildet das Zentrum des Kirchenraumes und besteht aus einem mittig aufgestellten Monolith aus Schieferstein. In dessen Oberfläche ist das wichtigste Gebet der Christenheit eingemeisselt, in luxemburgischer Sprache: „Eise Papp am Himmel...“. Über die bildhauerisch bearbeitete Fläche des Steines fliesst Wasser, als Urelement des Lebens und als Sinnbild des christlichen Glaubens (Reinigung und Erneuerung, Taufe, Brunnen des Lebens, die vier Paradiesströme, die Quellwunder…). Zwei Flügel aus zusammengefügten Eichenhölzern rahmen den Stein ein und können, je nach Anlass und Kirchenzeit, geschlossen oder geöffnet werden. Bei geschlossenen Flügeln wird in der Mitte des Tores ein Kreuz sichtbar. Die Oberflächen sind reliefartig gestaltet, sodass die Anmutung einer genarbten und von Lebensspuren geprägten Landschaft entsteht.

Die neue Pfeifenorgel, gefertigt in der Orgelmanufaktur Hugo Mayer aus Heusweiler, stellt ein seltenes Kleinod dar. Sie fügt sich als akustisches Pendant nahtlos in die neue Raumgestaltung ein. Das Gehäuse aus Erlenholz setzt durch die von Lindow reich geschnitzten und farblich gestalteten Schleierbretter mit Blumenmotiv eigene Akzente. Die 368 Pfeifen verteilen sich auf folgende Disposition :  I. Manual C-g3 Bourdon 8’, Blockflöte 4’ Cromorne 8’. II. Manual Bourdon 8’ (Transmission), Doublette 2’ Sesquialter 2-fach. Pedal Subbass 16’, Manualkoppel (Schiebekoppel) II-I und Pedalkoppel (Wechselkoppel) I/P, II/P.

Altarkonsekration und Orgelweihe

Die gänzlich neu gestaltete Pfarrkiche von Insenborn ist ein „klingendes Ganzes“ geworden. Mit ihrer eigenen Atmosphäre, die Offenheit und Geborgenheit zugleich vermittelt, versteht sie sich als Raum Gottes, als Raum der Stille und der Andacht. Sie will ein Ort der Begegnung sein: zwischen Gott und den Menschen, zwischen den Menschen und sich selber. Ein Ort, wo Menschen ihre Anliegen vorbringen können, die auf der Suche sind, die teilen möchten. Ein Ort für Menschen, die verwurzelt sind und solche die Zukünftiges glauben und gestalten wollen. Am Sonntag, dem 26. November 2006, übergab Erzbischof Mgr Fernand Franck während einer feierlichen Eucharistiefeier die Kirche von Insenborn auf ein Neues dieser edlen Aufgabe.

Finanzierung

Die aufwändigen Arbeiten der Neugestaltung wurden grösstenteils finanziert durch die Gemeinde Neunhausen, das Ministère de la Culture, de l’Enseignement supérieur et de la Recherche und der Kirchenfabrik Insenborn. Ein wesentlicher Teil konnte aber auch durch grossherzige Spenden von Privatpersonen finanziert werden. Da noch einige Arbeiten ausstehen (Kreuzweg, Sakristei, usw.) ist die Kirchenfabrik auch weiterhin für jede Spende sehr dankbar: Fabrique d’église Insenborn CCPL LU70 1111 1585 0002 0000. Jetzt schon ein herzliches Vergelt’s Gott an jeden Spender.